Preisentwicklung in Corona-Zeiten

Die Immobilienpreise legen in Deutschland seit Jahren massiv zu. Viele Kaufwillige hoffen, dass die Corona-Krise diese Entwicklung beendet. Dazu gibt es aber noch keine aktuellen Daten.

Die Postbank hat vor kurzem ihren jährlichen Wohnatlas erarbeitet. Die Daten stammen aus Zeiten vor der Corona-Krise, deshalb bietet der Wohnatlas keine aktuelle Orientierungshilfe. Sein erwartbares Ergebnis: In den vergangenen zwölf Monaten verzeichneten 90 Prozent aller deutschen Landkreise und kreisfreien Städte einen Zuwachs bei den Immobilienpreisen. Bundesweit lag das Plus 2019 im Schnitt inflationsbereinigt bei 9,3 Prozent.

Nachfrage dürfte in einer ersten Phase zurückgehen

Die Nachfrage nach Wohnraum werde zumindest in den kommenden Wochen von der Krankheitswelle stark beeinträchtigt.

Das hat aus Sicht von Experten mehrere Gründe:

  • Bundesbürger denken derzeit kaum an Umzüge innerhalb Deutschlands nach
  • Der Zuzug aus dem Ausland geht infolge der Grenzschließungen deutlich zurück
  • Die Gesundheit und die Arbeitsplatzsicherung stehen an erster Stelle

Bei Vermögenden sitzt das Geld nicht mehr so locker

Wegen der massiven Kursverluste an den Börsen sei ein „Entzug an Liquidität“ am Immobilienmarkt wahrscheinlich.

Gerade Vermögende, die meist auch in Aktien investieren, haben viel Geld verloren, das für Investitionen am Immobilienmarkt fehlen dürfte. Daneben könnte eine zweite Gruppe potentieller Käufer ausfallen: Ausländische Anleger – oftmals Unternehmer – könnten wegen der Corona-Krise ihre Gelder aus Deutschland abziehen und stattdessen in ihren Firmen zur Krisenbekämpfung einsetzen.

Das sind erste Mutmaßungen inmitten in der aktuellen Entwicklung, sie klingen aber plausibel.

Vorübergehend sinkende Preise möglich

Sollte sich die aktuelle Krise massiv verschärfen und lange andauern, könnten Tausende Mieter in Geldprobleme geraten und möglicherweise ihre Mieten nicht mehr aufbringen könnten. Das würde die Preise für Wohnungen belasten.

Zwar will die Bundesregierung Bürgern großzügig helfen, wie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mehrfach erklärte. Doch auch der Finanzkraft des Bundes sind Grenzen gesetzt.

Massiver Wirtschaftseinbruch würde Immobilienmarkt bremsen

Derzeit kann auch niemand ausschließen, dass die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise die deutsche Wirtschaft längere Zeit lähmt. In einer solchen Phase werden die Immobilienpreise aller Voraussicht nach eher sinken als steigen.

Entscheidende Faktoren sind Zeitpunkt und Ausmaß einer anschließenden Wirtschaftserholung. Wichtig werde auch die Verfassung der Banken sein, wenn die Immobilienmärkte wieder auf Wachstum schalten. Denn angesichts des Preisniveaus sind Immobilienkäufer auf Finanzierungen angewiesen. Und die stellen Geschäftsbanken zur Verfügung.

Offen bleibt auch, ob sich die vielfach unterbrochenen Bauarbeiten schon bald wie geplant fortsetzen lassen. Das sei wichtig für ein steigendes Wohnungsangebot. Nur wenn die Zahl fertiger Wohnungen zunimmt, könnte das dazu führen, dass sich die Kaufpreise zumindest beruhigen. Das bedeutet allerdings nicht zwingend, dass die Immobilienpreise auf breiter Front sinken.

Deutsche vertrauen auf Betongold - und könnten die Preise hochhalten

Denn es gebe ein schlüssiges Gegenargument: Immobilien gelten gerade in Zeiten heftiger Finanzmarkt-Turbulenzen als sichere Anlage. Ein Run auf Sachwerte könnte die Immobilienpreise stützen – selbst dann, wenn anderen Anlageklassen wie Aktien und Gold massiv an Wert verlieren.